Warum wir das 19. Jahrhundert neu herausgeben

1. Dezember 2025 Verlag

Warum wir das 19. Jahrhundert neu herausgeben

Es gibt eine Lücke in den deutschen Bücherregalen.

Auf der einen Seite stehen die Klassiker — Goethe, Schiller, die Romantiker. Tausendfach aufgelegt, bestens erschlossen, in jeder Buchhandlung zu finden. Auf der anderen Seite stehen die Fachbücher — akademische Editionen, Quellensammlungen, historische Monografien. Wichtig, aber für ein breites Publikum selten zugänglich.

Dazwischen klafft eine Lücke. Die regionalen Sagensammlungen, die Dorfgeschichten, die Mundartdichtung — Texte, die einmal zum kulturellen Grundwissen einer Landschaft gehörten. Die Lebenserinnerungen der Gründer und Erfinder, die Deutschland zur führenden Industrienation machten. Die Reiseberichte, die Technikgeschichten, die Biografien.

Diese Texte existieren. Aber sie sind vergriffen, schlecht digitalisiert, in veralteter Orthografie gedruckt und für moderne Leser praktisch unzugänglich.

Das Problem mit Reprints

Man könnte einwenden: Es gibt doch Reprints. Print-on-Demand macht es möglich, praktisch jedes gemeinfreie Werk wieder verfügbar zu machen. Und tatsächlich finden sich auf Amazon hunderte solcher Nachdrucke.

Das Problem: Die meisten sind lieblos. Eingescannte Frakturschrift, keine editorische Betreuung, kein Kontext, keine Einleitung. Oft fehlerhaft, manchmal unvollständig. Und gestalterisch auf dem Niveau einer Fotokopie.

Das ist schade. Denn diese Texte verdienen Besseres. Ein Sagenbuch aus dem Schwarzwald, das 200 Geschichten aus dem Volksmund versammelt, ist kein bloßes historisches Dokument — es ist ein Fenster in eine Welt, die unsere Landschaft und Kultur geformt hat. Die Lebenserinnerungen eines Werner von Siemens sind nicht nur ein Zeitdokument — sie sind eine Inspiration für jeden, der heute etwas aufbauen will.

Zwei Editionen, ein Programm

Deshalb haben wir den Verlag Kawerau gegründet. Unser Programm besteht aus zwei Editionen, die sich ergänzen wie zwei Seiten einer Medaille:

Die Edition Heimat macht regionale Kulturgeschichte wieder zugänglich. Sagensammlungen, Märchenbücher, Dorfgeschichten, Mundartdichtung, Wanderberichte — die Texte, die Landschaften erzählen. Unser erstes Projekt ist das Badische Sagenbuch von Bernhard Baader aus dem Jahr 1851: über 200 Sagen aus dem Volksmund, von Rittern auf gefrorenen Seen bis zu Nixen im Schluchtsee.

Die Edition Fortschritt bringt die Geschichten der deutschen Gründerzeit zurück. Autobiografien von Industriepionieren, Technikgeschichte, Berichte aus einer Zeit, in der Deutschland Weltunternehmen aus Werkstätten heraus aufbaute. Siemens, Diesel, Zeiss, Borsig — ihre Geschichten sind aktueller denn je.

Was wir anders machen

Jedes Buch, das wir herausgeben, wird editorisch betreut. Das bedeutet konkret:

Behutsame Modernisierung. Wir passen veraltete Orthografie an, ohne den Ton und Charakter der Texte zu verändern. Keine Vereinfachung, keine Verfälschung — aber auch keine unnötige Hürde für moderne Leser.

Editorische Einbettung. Jedes Werk erhält eine Einleitung, die den historischen Kontext erschließt. Anmerkungen erklären, was nicht mehr selbstverständlich ist. Nachwort und Bibliografie laden zur Vertiefung ein.

Sorgfältige Gestaltung. Sauberer Satz mit Serifenschriften, die zum Charakter der Texte passen. Historische Illustrationen — Holzschnitte, Stahlstiche, Lithografien — ergänzen den Text. Kein digitaler Einheitsbrei, sondern Bücher mit Charakter.

Für wen wir das machen

Wir machen Bücher für Menschen, die Tiefe suchen. Die wissen wollen, woher wir kommen — und wohin wir gehen können. Die ein Buch nicht nur lesen, sondern besitzen wollen. Die ihr Regal als Ausdruck dessen verstehen, was ihnen wichtig ist.

Das sind Menschen zwischen 25 und 45, die kulturell interessiert sind und ästhetisch anspruchsvoll. Die eine Verbindung zu ihrer Region suchen, die über Klischees hinausgeht. Oder die in der Geschichte der Innovation Ermutigung für die Gegenwart finden.

Was als Nächstes kommt

Das Badische Sagenbuch ist unser erstes Projekt. Danach folgen weitere regionale Sagensammlungen, Dorfgeschichten und — in der Edition Fortschritt — die ersten Gründerbiografien.

Wir werden in diesem Journal regelmäßig über unsere Arbeit berichten: über die Texte, die wir entdecken; über editorische Entscheidungen; über die Frage, wie man historische Werke für moderne Leser aufbereitet, ohne sie zu verfälschen.

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Das 19. Jahrhundert für das 21. Jahrhundert. Das ist unser Versprechen.