Der Poppele auf Hohenkrähen
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Auf der Burgruine Hohenkrähen im Hegau, jenem steilen Vulkankegel, der wie ein Wächter über das Land ragt, treibt seit Jahrhunderten der Poppele sein Unwesen.
Der Poppele, so erzählt man sich, war einst ein fröhlicher Burgherr, der seinen Gästen allerlei Streiche spielte. Auch nach seinem Tode ließ er das Scherzen nicht. Wanderer, die des Nachts am Hohenkrähen vorbeikamen, hörten lautes Lachen und Poltern aus den Ruinen. Mancher sah ein bläuliches Licht in den alten Gemäuern flackern.
Besonders gern zeigte sich der Poppele den Bauern der umliegenden Dörfer. Bald erschien er als feuriger Reiter, bald als weißer Hase, bald als großer schwarzer Hund. Wer ihm begegnete, dem spielte er Streiche: Er verdrehte den Wanderern den Weg, sodass sie im Kreise liefen; er löschte die Laternen aus; er saß unsichtbar auf den Pferden, die dann nicht mehr von der Stelle wollten.
Doch böse war der Poppele nicht. Wer ihn grüßte und freundlich ansprach, dem tat er nichts zuleide. Ja, er wies manchen sogar den rechten Weg, wenn sie sich in der Dunkelheit verirrt hatten. Nur wer ihn verspottete oder ihm fluchte, der musste seinen Schabernack erdulden.
So treibt der Poppele noch immer sein Wesen auf dem Hohenkrähen, und die Leute im Hegau kennen ihn gut. „Der Poppele geht wieder um”, sagen sie, wenn nachts seltsame Geräusche von der Burgruine herüberklingen. Und mancher lächelt dabei, denn ein Geist, der lacht, kann kein schlimmer sein.
Aus dem Volksmund aufgezeichnet von Bernhard Baader, 1851.
Diese Sage stammt aus dem Badisches Sagenbuch
Bernhard Baader · Vollständige Ausgabe in der Edition Heimat des Verlag Kawerau.
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