Die Nixe im Schluchtsee

Schwarzwald · Schluchtsee · Aus: Badisches Sagenbuch

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Im tiefen Schluchtsee, dem größten See des Schwarzwalds, haust seit uralten Zeiten eine Nixe. Still und dunkel liegt der See zwischen den bewaldeten Bergen, und wer an seinen Ufern steht, kann nicht auf den Grund blicken, so tief ist das Wasser.

Die Fischer, die auf dem See ihrem Gewerbe nachgingen, wussten von der Nixe zu erzählen. An stillen Abenden, wenn der See glatt wie ein Spiegel lag, sahen sie zuweilen ein Leuchten aus der Tiefe dringen. Dann wussten sie: Die Nixe war wach.

Sie zeigte sich selten. Aber wenn sie es tat, war sie von solcher Schönheit, dass den Männern das Herz stillstand. Sie saß auf einem Felsen am Ufer, kämmte ihr langes grünes Haar und sang ein Lied, das süßer klang als alles, was Menschenohren je vernommen hatten.

Wer ihrem Gesang lauschte, den zog es unwiderstehlich zum Wasser. Mancher Fischer, so heißt es, sei seinem Boot entstiegen und in den See gewandert, als sei das Wasser fester Boden. Zurückgekehrt ist keiner von ihnen.

Die alten Leute am Schluchtsee wussten sich zu schützen. Sie warfen ein Kreuz aus Weidenholz ins Wasser, bevor sie mit dem Boot hinausfuhren, und sprachen ein stilles Gebet. So blieben sie verschont. Doch wer das vergaß oder wer die Nixe verspottete, dem konnte niemand helfen.

Noch heute, sagen die Leute, kann man an stillen Sommerabenden das Leuchten im See sehen. Und wer genau hinhört, vernimmt ein Lied, das aus der Tiefe kommt — wunderschön und gefährlich zugleich.

Aus dem Volksmund aufgezeichnet von Bernhard Baader, 1851.

Diese Sage stammt aus dem Badisches Sagenbuch

Bernhard Baader · Vollständige Ausgabe in der Edition Heimat des Verlag Kawerau.

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