Die Glocken von Breisach

Breisgau · Breisach am Rhein · Aus: Badisches Sagenbuch

Das Münster von Breisach steht hoch auf dem Felsen über dem Rhein, und seine Glocken sind weit im Land zu hören. Doch die schönsten Glocken, so erzählt man, liegen nicht im Turm, sondern auf dem Grund des Stromes.

Es war in den Kriegen, als fremde Heere durch das Breisgau zogen und die Städte plünderten. Die Breisacher fürchteten um ihre Glocken, denn die Feinde schmolzen das Bronze ein, um Kanonen daraus zu gießen. Also nahmen sie die drei größten Glocken aus dem Turm und wollten sie über den Rhein in Sicherheit bringen.

Doch das Schiff, das die schwere Last trug, kenterte mitten auf dem Strom. Die Glocken versanken in der Tiefe des Rheins, und niemand vermochte sie zu bergen, so reißend war die Strömung.

Seitdem liegen sie dort. Aber sie schweigen nicht. Bei Hochwasser, wenn der Rhein ansteigt und das Wasser über die Kiesbänke rauscht, kann man sie hören: ein tiefes, dunkles Läuten, das aus der Strömung aufsteigt. Manche sagen, die Glocken läuten von selbst, wenn der Stadt Gefahr droht. Andere meinen, es sei nur der Wind in den Weiden am Ufer.

Die alten Fischer aber, die den Rhein kannten wie ihre Stube, die wussten es besser. „Das sind die Glocken”, sagten sie. „Die läuten für Breisach, ob es die Stadt weiß oder nicht.”

Und wenn an stillen Abenden ein dumpfes Klingen vom Rhein herübertrug, nickten die Leute und sagten: „Die Glocken läuten wieder.”

Aus dem Volksmund aufgezeichnet von Bernhard Baader, 1851.

Diese Sage stammt aus dem Badisches Sagenbuch

Bernhard Baader · Vollständige Ausgabe in der Edition Heimat des Verlag Kawerau.

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